Andrea Fellmann
Es ist das größte Investitionsprojekt in der Geschichte der dänischen Carlsberg-Brauerei: Das neue Produktions- und Distributionszentrum bei Fredericia. Gut 2 km2, davon die Hälfte reine Nutzfläche, umfasst das neue Firmengelände, wohin das dänische Traditionsunternehmen seine Produktionsanlagen aus Kopenhagen verlagert hat. Den Zuschlag für Konzeption, Planung und Realisierung der Anlage erhielten nach einer internationalen Ausschreibung die Intralogistikspezialisten von SSI Schäfer, Giebelstadt.
Mit der Erstellung des Logistikkonzeptes und einem Leistungsspektrum, das von der Ausführungsplanung über den Regalbau für das Hochregallager und ein spezielles Inhouse-Regal bis hin zur Palettenfördertechnik und Anbindung der Abfüllanlagen mit einer Elektrohängebahn reicht, haben die Giebelstädter in Fredericia eine der modernsten und für die Getränkeindustrie beispielhafte Logistikanlage realisiert. Überdies erfolgt die Lagerverwaltung mit dem Warehouse Management System (WMS) von SSI Schäfer, das mit speziellen Funktionen für das Yardmanagement, die Nachschubsteuerung für Produktionslinien und Kommissionierung sowie sequenzieller Bereitstellung des Warenausgangs für effiziente Prozesse sorgt.
Eine der größten Herausforderungen bei diesem Projekt war der enge Terminplan. Innerhalb von knapp 14 Monaten nach Auftragsvergabe sollte die Anlage stehen und in Betrieb genommen werden. Neben einer umfangreichen Bühnenkonstruktion der Haupthalle musste mit dem sogenannten Inhouse-Regal zudem eine achtgassige Regalanlage bei laufendem Betrieb in einen vorhandenen Gebäudebestand hinein gebaut und das WMS an das SAP-Warenwirtschaftssystem von Carlsberg angekoppelt werden.
„Während in Fredericia die Hardware bereits installiert wurde“, erläutert Peter Lambrecht, zuständiger Projektleiter von SSI Schäfer, „liefen parallel die IT-Entwicklung, Test- und Simulationsprogramme, um bei der Inbetriebnahme eine lauffähige Version des exakt zugeschnittenen WMS mit SAP-Schnittstelle zur Verfügung stellen zu können.“
Die Anlage in Fredericia läuft jetzt im Vollbetrieb und die alten Läger in Kopenhagen sind im neuen Distributionszentrum zusammengeführt worden. „Von der Leergutannahme bis zum Warenausgang sind alle Prozesse komplett automatisiert“, betont Carlsberg-Logistikleiter Lars G. Hansen. „Dabei ist die Anlage in ihrem Leistungszuschnitt auf unsere hohen Standarddurchsätze und auch auf die Anforderungen von Spitzenzeiten ausgelegt.“ Bis zu 130 Lkw und Züge, die sowohl von hinten als auch von der Seite entladen werden können, liefern pro Tag rund 5000 bis 6000 Paletten Leergut aus ganz Europa an. Bereits an der Leergutannahme werden die Paletten über 13 Aufgabestationen in den automatischen Fördertechnikkreislauf eingebracht. Per Videoerfassung erfolgt die Identifikation des Leergutes und seine Einschleusung in einen von zwei Elektro-Hängebahn-Kreisläufen – einer für Bierkisten, der andere für Erfrischungsgetränke.




