Peter Bolduan, Michael Latz
Zur Herstellung von Buntsäften werden unter anderem schwarze Johannisbeere, rote Johannisbeere, Himbeere, Sauerkirsche, Erdbeere und Holunder verwendet. Die aus diesen Früchten gewonnenen Säfte finden überwiegend Verwendung in Mischgetränken wie zum Beispiel Apfel/Kirsch, in roter Limonade, als Farbstoff in anderen Lebensmitteln oder in Functional Drinks. Darüber hinaus wird die physiologische Wirksamkeit der Inhaltsstoffe als z. B. Tumor hemmend, Herz-Kreislauf fördernd und Cholesterin senkend geschätzt. Die Farbe von Buntsäften und daraus hergestellten Konzentraten ist ein gewünschtes Qualitätsmerkmal. Sie soll fruchttypisch, intensiv und – hinsichtlich der Lagerfähigkeit – stabil sein. Oxidationsbedingte Bräunung ist zumeist qualitätsmindernd. Die oft teure Rohware erfordert eine besonders wirtschaftliche Saftgewinnung und somit eine gelungene Synthese aus Quantität (Saftausbeute) und Qualität (Farb-ausbeute und Farbstabilität). Bei vorgegebener Rohware und Anlagentechnologie sind die Verarbeitungsparameter mechanische Beanspruchung sowie thermische und enzymatische Behandlung variabel und können fruchtspezifisch angepasst werden. Alle Maßnahmen verfolgen das Ziel, aus teurer Rohware ausreichend Saft bei bester Farbausbeute zu gewinnen, ohne die spätere Saftstabilität durch übermäßige Extraktionsmaßnahmen zu gefährden.
Bevor die Frucht gepresst wird, kann zur Qualitätsverbesserung des späteren Saftes ein Verlesen der Rohware erfolgen, um bei fauler/verletzter Ware den Gehalt an Toxinen und Oxidosen (auch Mikroorganismen) abzusenken und/oder ein Entrappen erfolgen, um den Gerbstoffgehalt zu senken. Darüber hinaus kann der Mahlgrad so eingestellt werden, dass die Kerne nicht verletzt werden.
Sowohl die Enzymauswahl als auch die Temperaturführung während des Maischevorganges haben großen Einfluss auf eine gute Entsaftung, die anhand der Ausbeute und der Pressgeschwindigkeit (Presskapazität) bemessen wird. Eine gute Enzymierung sorgt für vollständigen Pektinabbau, gute Saftklärung und Filtrierbarkeit sowie geringe Auslösung von Polysacchariden. In der Maischephase ist eine weitestgehende Desintegration der Zellen erwünscht, jedoch kein Auflösen der Zellen, da das Auslösen von Kolloiden zu großen Problemen bei der Klärung/Stabilisierung führen kann.
Die meisten Buntfrüchte werden heiss, das heißt bei 45 bis 60 °C enzymiert (mit Ausnahme von hartschaligen oder markigen Früchten), da bei dieser Temperatur die Enzymwirkung nachhaltig unterstützt wird. Außerdem erfolgt ein Schutz vor mirkrobiologischem Befall. Alle thermischen/enzymatischen und mechanischen Maßnahmen werden auf die Frucht abgestimmt, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Um die Ausbeute zu erhöhen, erfolgt neben der ersten Pressung häufig eine Tresterextraktion unter Zugabe von warmem Wasser, damit der darin enthaltene Zucker und der Farbstoff gewonnen werden können. Es besteht allerdings die Gefahr, dass unerwünschte Stoffe, wie zum Beispiel neutrale Kolloide, mit übergehen und die Saftklärung und Stabilisierung erschweren.




