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    Flexible Greifer für Pittermännchen & Co.
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    Getränkeindustrie

    Flexible Greifer für Pittermännchen & Co.

    Rund 50 % der 500 000 hl, die jährlich bei der Privatbrauerei Gaffel in Köln abgefüllt werden, landen im Fass – und zwar in Plus-Kegs, Edelstahl-DIN- und
    Veröffentlicht
    04. November 2014
    Lesezeit
    5 Minuten
    Rubrik
    Getränkeindustrie

    Die Privatbrauerei Gaffel ist die älteste Brauerei der Stadt Köln. Bereits im Jahr 1302 wird auf dem Eigelstein erstmals eine Braustätte erwähnt. Aus dem Tiefbrunnen mit seiner exzellenten Wasserqualität wird bis heute das Gaffel-Brauwasser geschöpft. Das erste Gaffel-Kölsch kam am 24. Mai 1908 aus dem Zapfhahn am Eigelstein. Heute wird die Brauerei bereits in fünfter Generation von der Familie Becker geführt. Gebraut werden Kölsch, Light, Frei, Fassbrause, Sonnen Hopfen und Gaffel 11. Abgefüllt werden alle Fässer im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen. „Durch die große Vielfalt an Fässern trat des Öfteren die Situation auf, dass es bei der automatischen Entpalettierung immer wieder Störungen oder Stillstände gab, weil entweder Greiferköpfe umzubauen waren oder aber Fässer nicht ordentlich auf den Paletten standen. Dann setzte der Greifer auf einem der überstehenden Kegs auf und stand still. Wir wollten daher eine automatisierte Lösung für beide Abfülllinien, die solche Störungen weitestgehend ausschließt“, erläutert Reiner Radke, Geschäftsleiter Technik und Logistik bei Gaffel, die Vorgaben. „Wir arbeiten mit Federspiel schon lange zusammen, seit 1998 setzen wir bereits einen Bepalettierroboter für die großen Kegs ein.“

    Auf der einen Linie in Köln-Bilderstöckchen werden nur die großen 30-l- und 50-l-Kegs, auf der anderen die kleineren sowie typisch kölschen Pittermännchen verarbeitet. Beide werden nach dem Entfernen der Sicherungsschnur oder -folie mit Staplern aufgesetzt. Bei den kleineren Gebinden sind dabei drei Paletten übereinandergestapelt, bei den größeren nur zwei Lagen. Die Fässer fahren über einen Transporteur in einen der Federspiel-Entpalettierer ein. Hier werden sie binnen weniger Sekunden von einem 3-D-Scanner mittels gepulstem Laserstrahl erfasst. Über einen internen Drehspiegel wird auch die Umgebung fächerförmig, also zweidimensional, abgetastet. Beim Auftreffen auf ein Objekt registriert der Scanner eine Reflektion und erzeugt so im Rechner ein Bild. Damit wird die exakte Position von jedem Fass auf der Palette bestimmt und zugleich ein 2-D-Höhenprofil erstellt.

    Beim Keg-Handling kann der Roboter gerade bei Lagen mit versetzten Gebinden seine Vorteile durch das Greiferwerkzeug voll ausspielen. Federspiel bietet bei seinen Keg-Robotern von Kuka eine Vielzahl von Greifereinrichtungen für das Aufnehmen von Fässern an. Bei Gaffel werden die Gebinde seitlich durch Zweifachgreifer aufgenommen, die elektropneumatisch oder servomotorisch angesteuert werden. Zudem ist im Greiferwerkzeug ein ausfahrbarer Palettengreifer installiert, der die Palette von oben greift. Der Einarmroboter kann sich in bis zu sechs Achsen bewegen und Traglasten bis 180 kg exakt aufnehmen und absetzen. Der eingesetzte Greiferkopf ist als Klemmgreifer für alle gängigen Fassgrößen ausgeführt.

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    Der Greiferkopf im Knickarmroboter weiß durch den im Bildverarbeitungssystem gespeicherten Scan zuverlässig, wo genau sich welches Gebinde befindet. Über den PC bekommt er den Befehl, wahlweise ein oder zwei Kegs zu entpalettieren und auf eine Rollenbahn in Richtung Fasswaschmaschine zu setzen. Dies erfolgt produktschonend über eine flexible Leiste (Vulkollan). Ist eine Palette leer geräumt, fährt im Kopf der spezielle Palettengreifer aus, der die vorher noch einmal gescannte Palette auf eine Rollenbahn zur Palettenprüfstation absetzt. Nach Überprüfung der Quer-, Lauf- und Deckbretter, Freiräume, Klötze, Ausbrüche und Abmessungen wird die Palette entweder zum Palettenmagazin weitergeleitet oder bei Fehlern ausgeschleust. Gleichzeitig wird im Entpalettierer die nächste Lage eingescannt oder, wenn keine mehr da ist, fährt die nächste Palette ein.

    „Würden die Mitarbeiter der Getränkemärkte oder die Fahrer der Lkw genauer auf die Position der Fässer auf den Paletten achten, dann hätten wir diese Probleme nicht gehabt. Doch gerade bei den Pittermännchen mit 5 oder 10 l Volumen stehen manchmal elf, manchmal auch nur acht Fässer auf der Palette – und dann eben entsprechend kreuz und quer. Das war mit unserem in der Vergangenheit eingesetzten Portalroboter, der immer Lage für Lage abnahm, nicht mehr zu bewältigen. Schließlich befüllen wir auf der Linie für die großen Kegs mit sechs Füllstationen 360 Fässer in der Stunde und auf der Linie für die kleinen Kegs über 300 stündlich – alles im Zweischichtbetrieb. Bei diesen Mengen darf es keine längeren Störungen oder gar Stillstände geben, nur weil der Entpalettierer Probleme hat. Daher war unsere Entscheidung für einen Roboter von Federspiel genau richtig“, unterstreicht Radke.

    Zudem ist dieses System mit dem Laser-Scanner besonders. „Es gibt auch gar nicht so viele Hersteller, die kleine Gebinde gut verarbeiten können. Dass wir uns für einen Knickarmroboter und keine Portalmaschine entschieden haben, hat weitere Gründe: Generell weisen die technisch sehr ausgereiften Roboter kaum Störungen auf, es gibt aufgrund des elektropneumatischen Antriebs im Vergleich zu den mechanischen Antrieben mit großen Beschleunigungen kaum Verschleiß, sie müssen daher kaum gewartet werden. Und sollten wir einmal die Linie umbauen oder verlagern, können wir die Roboter überall sofort wieder einsetzen – eine Portalmaschine muss da erst mal reinpassen von der Größe und vom Layout“, so Radke.

    Werden nun auf der Linie der kleineren Fässer etwa statt 20-l-Gebinde die ganz kleinen 5-l-Fässchen verarbeitet, genügt beim Entpalettierer ein Knopfdruck und die Greiferköpfe wissen Bescheid, welche Gebinde sie jetzt vor sich haben. Das am Eigelstein gebraute und mit Containern nach Bilderstöckchen transportierte Bier kann ohne große Umstellzeit in die frisch gereinigten und kontrollierten Fässer abgefüllt werden. „Unser nächster Schritt wird 2015 ein weiterer Federspiel-Roboter sein, dieses Mal aber zum Palettieren der Fässer – denn wir sind mit den beiden Entpalettierern mit Scanner sehr zufrieden“, sagt Reiner Radke.

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