Wasser und Energie einsparen, um damit die Effizienz des gesamten Unternehmens zu verbessern, und gleichzeitig die heutigen Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen – das ist inzwischen die oberste Maxime für jeden Produktionsprozess und ein genereller Trend in der Getränketechnologie. Wie sich Hürden nehmen lassen, zeigte sich Mitte September auf der Drinktec in München.
Sie gehört zu den essenziellen Fragen für Getränkehersteller, die ihren Blick vorausschauend in Richtung Zukunft richten: Wie kann ich Energie und Wasser im gesamten Herstellungsprozess einsparen und so meine Produktion auf nachhaltigere Beine stellen? Kein Wunder also, dass die Themen Energieeffizienz, Vermeidung von Produktverlusten, energetische Reststoffverwertung und optimierte Verpackungen ganz oben auf der Agenda der diesjährigen Drinktec-Aussteller standen – denn die Technologieanbieter sehen sich hier als Teil der Lösung. Volker Kronseder, Vorsitzender des Drinktec-Fachbeirats und VDMA-Vorstandsmitglied, bestätigt den Trend zu Anlagen, die auf mehr Effizienz und Nachhaltigkeit getrimmt sind: „Die Maschinenhersteller haben eine Vielzahl von Aufgaben, nämlich mit bestmöglicher Technologie die wirtschaftliche und sichere Versorgung der Menschen zu ermöglichen und dabei auch die Anforderungen des Klimaschutzes und die Schonung der Ressourcen im Fokus zu haben“, betont er. Die Digitalisierung habe in diesem Kontext die wichtige Funktion, Einspar-, Optimierungs- und Verbesserungspotenziale entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren. „Und wer, wenn nicht der Maschinenbau, kann entscheidend dazu beitragen, die Prozesse in den produzierenden Unternehmen wirtschaftlich, effizient und zugleich nachhaltig zu gestalten“, so Kronseder.
Das Ende der Worst-Case-Reinigung
Eine Vielzahl der Innovationen, die auf der Drinktec vorgestellt wurden, beschäftigen sich mit dem Wasserbedarf in Reinigungsprozessen – ein für die Getränketechnologie akutes Thema. Ziel ist die Reduzierung des Wasserverbrauchs durch automatisierte und intelligente CIP-(Cleaning In Place)-Systeme, die selbstständig den Verschmutzungsgrad erkennen und die Reinigungsabläufe selbstjustierend anpassen. Die automatisierte CIP-Reinigung großer Behälter wie Tanks ist allerdings nach wie vor eine große Herausforderung, da es an Möglichkeiten der direkten Inline-Kontrolle des Reinigungserfolgs fehlt. Als Folge davon sind die Reinigungssysteme sicherheitshalber am Worst-Case-Szenario ausgelegt und „überreinigen“ mit einem hohen Ressourceneinsatz. Ein Sachverhalt, den die Wissenschaftler am Fraunhofer IVV in Dresden genauer unter die Lupe genommen haben. Ziel der Forscher ist es, mithilfe adaptiver Prozessführung bis zu 75 % beim Energie- und 50 % beim Zeitbedarf der Reinigung im Vergleich zu heutigen State-of-the-Art-Systemen einzusparen.
Gemeinsam mit dem Projektpartner Hohe Tanne haben sie dafür den Adaptive Jet Cleaner (AJC) entwickelt. Der Zielstrahlreiniger ermöglicht es, durch frei programmierbare Reinigungsbahnen gezielt jeden Punkt in einem Tank anzufahren. Zusätzlich können vorprogrammierte Reinigungsabläufe hinterlegt werden, sodass sich anhand der Geometrie und des zu erwartenden Verschmutzungszustands eine ortsaufgelöst optimierte Reinigung durchführen lässt. Auf der Drinktec präsentierte das Fraunhofer-Team eine technologische Weiterentwicklung: den AJCsens. Dank eines integrierten optischen Verschmutzungssensors wird damit ein permanentes Inline-Monitoring des Tankreinigungsprozesses möglich. Darüber hinaus lassen sich dank integrierter Höhenverstellung jetzt auch Sprühschattenbereiche hinter komplexen Geometrien wie Rührwerksschaufeln oder Sensoranschlüssen detektieren und mit direktem Strahlimpact gezielt reinigen.




