Sabine Koll
Verständlicherweise will der Konsument weder schädliche Mikroorganismen noch Reinigungsmittel oder Maschinenschmierstoffe in seinem Brötchen, Jogurt oder Fleisch haben. Vor allem Mikroorganismen können die Lebensmittel verderben und sogar Krankheiten auslösen. Dafür, dass die Produkte die Gesundheit der Verbraucher nicht gefährden, muss die Lebensmittelindustrie Sorge tragen, indem sie möglichst hygienisch produziert. Aber: „Eine 100%ige Sicherheit gibt es allerdings nicht“, stellt Professor Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), klar. „Das zeigen alle praktischen Erfahrungen. Außerdem ist die Lebensmittelproduktion zu komplex.“
Bereits seit Langem kümmern sich Lebensmittelhersteller und Maschinenbauer gemeinsam um die Entwicklung von Maschinen, die die umfangreichen Hygieneanforderungen erfüllen. Dazu gehören gute Reinigbarkeit ebenso wie die Vermeidung von Toträumen, also von nicht einsehbaren Ecken, in denen sich Lebensmittelreste und Bakterien ansammeln können. Die Wahl der richtigen Werkstoffe, mit denen die Lebensmittel in der Maschine in direkten Kontakt kommen, ist dabei ebenso wichtig wie die der verwendeten Schmiermittel, die auf alle Fälle lebensmitteltauglich sein müssen. „Diese Punkte werden heute alle berücksichtigt. Dennoch bergen einzelne kritische Baugruppen in Anlagen und Prozessen immer noch großes Optimierungspotenzial“, sagt der DLG-Experte. Dies verbessere nicht nur die hygienischen Bedingungen, sondern in der Regel auch die Wirtschaftlichkeit der Produktion. Möglich werden die Optimierungen vor allem durch Fortschritte in Analytik und Verfahrenstechnik sowie durch die Möglichkeit, Prozesse am Computer zu simulieren. Wissenschaftler untersuchen verstärkt die Hintergründe, wie und warum Partikel an der Oberfläche haften und damit zum Problem werden, und welche Kräfte dabei wirken.
So gilt Edelstahl zwar als das hygienische Material schlechthin für die Lebensmittelindustrie. Doch auch dieser rostet unter bestimmten Bedingungen, etwa verursacht durch Chloride im Betriebswasser, durch Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder aber durch säurehaltige Lebensmittel. Durch das Rosten wiederum lässt sich das Material schlechter reinigen. Mehr noch: Es kann die Lebensmittel durch schädliche Stoffe verunreinigen. Zur Lösung dieses Problems reicht der Einsatz hochfester Edelstahllegierungen alleine mitunter nicht aus. Daher wird die Metalloberfläche behandelt, beispielsweise durch Elektropolieren, einem elektrochemischen Verfahren. Dies verringert die Rauheit der Oberfläche, sodass sie weniger Angriffsflächen bietet. Zudem wird sie dadurch öl- und fettfrei. Professor Dr. Buckenhüskes: „Dabei handelt es sich um eine teure Maßnahme, die in der Pharma- und Biotechnologiebranche aber längst üblich ist, um die hohen Qualitätsanforderungen zu erfüllen.“ Doch auch in der Lebensmittelindustrie gehe der Trend eindeutig in Richtung noch höhere Sicherheit. Der DLG-Experte: „Kein Hersteller kann sich schließlich bei einem europa- oder weltweit vertriebenen Produkt eine Rückrufaktion leisten.“ Auch die Behandlung, Vergütung und Strukturierung der Oberflächen mithilfe der Nanotechnologie sieht er als interessante Entwicklung. Bei Glas funktioniert dies bereits sehr gut – bekannt ist beispielsweise der Lotuseffekt bei Duschtrennwänden. Bei Edelstahl ist die Entwicklung bislang jedoch noch nicht so weit.




