Gerade das natürliche Kältemittel Ammoniak hat für die Brauer eine lange Tradition. Sie beeinflussten die Entwicklung von Kälteanlagen im neunzehnten Jahrhundert entscheidend –bereits 1876 ermöglichte eine Ammoniak-Kälteanlage es einem bayrischen Brauer überall und zu jeder Jahreszeit, Bier zu brauen. Aufgrund der positiven Eigenschaften von natürlichen Kältemitteln wechselten viele Brauereien nicht zu synthetischen Kältemitteln. Nachfolgend werden einige Fallbeispiele aus der jüngeren Vergangenheit vorgestellt.
Die Brauerei Daniel Thwaites in Blackburn ist seit ihrer Gründung im Jahr 1807 ein unabhängiges, familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Blackburn. Sie zählt zu den Top-10-Brauereien in England. Um die Kühlleistung zu verbessern und Energiekosten einzusparen, beauftragte das Unternehmen die Kältefachleute von Star Refrigeration mit der Optimierung der bestehenden Kälteanlage. Bereits in vorherigen Projekten waren Wärmeübertrager und Abscheiderbehälter ersetzt worden. Ein neu eingesetzter GEA-Grasso-Kolbenverdichter mit Wechselrichterantrieb und dem umweltfreundlichen natürlichen Kältemittel Ammoniak vergrößert die Leistung von vorher 310 auf nun 400 kW und reduziert gleichzeitig die laufenden Betriebskosten. Die verbesserte Energieeffizienz ergibt sich dabei zum großen Teil durch den Einsatz des neuen wechselrichtergesteuerten Kolbenverdichters anstelle der ursprünglich immer auf gleicher Drehzahl laufenden Maschine sowie der Installierung eines neuen Steuerungssystems für den Verdichter. Energiemessungen zeigen, dass die Brauerei durch die neu installierten Komponenten wöchentlich etwa 2500 Euro an Elektrizitätskosten einspart und sich die Investitionskosten in weniger als 18 Monaten amortisieren.
Das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee in den Alpen gilt als eine der ältesten, noch bestehenden Brauereien in Bayern. Jährlich produziert sie rund 120 000 Hektoliter Bier. Im Jahr 2010 realisierte die Firma Th. Witt eine umweltfreundliche Kälteanlage zur Kühlung des Brauwassers. Bis zum Zeitpunkt der Umbaumaßnahmen wurde die Würzekühlung (4 Sude pro Tag) klassisch über eine Eisspeicheranlage realisiert. Bedingt durch die geplante Kapazitätssteigerung der Brauerei auf 9 Sude wurde nach einer neuen kältetechnischen Lösung gesucht. Die Aufgabe bestand darin ein System zu planen, das über den Tag verteilt mit nahezu konstanter Leistung betrieben werden kann. Außerdem sollte die Möglichkeit bestehen, später eine Wärmepumpe an das System anzubinden und von dort aus angrenzende Gebäude wie etwa die Gaststube „Braustüberl“ mit Wärme zu versorgen. Während des Kühlvorgangs müssen 190 Liter Brauwasser innerhalb von 2,5 Stunden von +16 °C auf +2 °C abgekühlt werden. Bei der neuen Anlage sollte der Kühlwasserverbrauch für die Verflüssiger so weit wie möglich reduziert werden.




