Winfried Baginsky
Weltweit werden pro Jahr über 1,55 Mrd. hl Bier gebraut. Dabei produzieren nach Angaben des aktuellen Barth-Berichtes mittlerweile die Top 40 der Braukonzerne mehr als 85 % des gebrauten Bieres. Doch reines Wachstum allein genügt nicht mehr, Investitionen müssen auch rentabel sein. Dabei versucht man, Synergien zu nutzen, Kosten im Produktionsprozess zu reduzieren und neue Technologien zur Qualitätssicherung und -verbesserung einzusetzen. Dies setzt sowohl eine gute Logistik des Waren- und Materialflusses mit integrierter Lieferantenrückverfolgung als auch eine flexible Anlagenplanung, eine bessere Prognoseerstellung und eine dynamische Lagerbestandsverwaltung voraus. Generell gilt für die Branche: Nicht mehr nur mehr und schneller, sondern vor allem flexibler zu produzieren. Dieser Trend wird unterstützt durch ein verändertes Verbraucherverhalten: Immer mehr Bier wird zu Hause getrunken. Dies vergrößert einerseits die Marktstellung der Supermärkte und bedingt andererseits auch immer breitere Produktpaletten von qualitativ hochwertigen Waren, mit denen sich die weltweit operierenden Konzerne genauso vom Wettbewerb absetzen wollen wie die regional agierenden Brauspezialisten.
Auf den Braumeistern lastet jetzt der Druck, jederzeit Biere mit gleichmäßiger Qualität bei ständig schwankenden Eigenschaften der natürlichen Rohstoffe Hopfen und Braugerste und kaum vorhersehbaren saisonalen und witterungsbedingten Schwankungen des Absatzes zu brauen. Gleichzeitig nimmt wegen des vergrößerten Vertriebsweges – unter Umständen Export in 50 und mehr Länder – auch die Anzahl der hygienischen Vorschriften zu. Das bedeutet auch höchste Flexibilität beim Abfüllen in Gebinde mit unterschiedlichsten Füllmengen sowie bei Verpackungen und Konfektionierungen. Und nicht zuletzt schreiben neue EU-Richtlinien wie die EN 178/2002 zum Verbraucherschutz die vollständige Rückverfolgbarkeit der Produkte – von der Flasche bis zur Braugerste – vor.
Wenn die Unternehmen mit dieser sich ständig verändernden Wertschöpfungskette Schritt halten wollen, brauchen sie neben Prozessmodellen und IT-Tools vor allem umfassende Informationen aus Prozess und Anlagen. Denn eine effiziente Betriebsführung erfordert aktuelle und vor allem sinnvoll aufbereitete Daten, die einen Blick auf die ganze Produktion ermöglichen. Doch bislang war die in Brauereien eingesetzte Informationstechnologie geprägt von in sich optimierten Insellösungen. Die gewachsenen und in sich optimierten Automatisierungsinseln von Sudhaus, Gär- und Lagerkeller, Filtration, Abfüllung und Verpackung gestatten keine zentrale Datenerfassung und damit kein automatisches Berichtswesen. Funktionslücken oder -überlappungen der verschiedenen Applikationen behindern den Datenaustausch und verursachen hohe Betreuungskosten. Zusätzlich benötigte Daten lassen sich häufig nur per Hand zusammengetragen oder müssen noch einmal eingegeben werden.




