Beste tschechische Gerste, der berühmte Saazer Hopfen sowie kalzium- und magnesiumarmes Brauwasser sind die Rohstoffe, aus denen seit Generationen das bei Biertrinkern auf der ganzen Welt beliebte Pilsner Urquell hergestellt wird.
1838 gründeten die brauberechtigten Bürger Pilsens die Bürger Brauerei. Vier Jahre später braute hier Josef Groll, ein Bierbrauer aus Bayern, das erste untergärige Lagerbier, das seit 1898 unter der Schutzmarke Pilsner Urquell vermarktet wird. Heute gehört die Pilsner-Urquell-Brauerei zur weltweit aktiven SABMiller-Gruppe. Das Unternehmen mit Braustätten in Pilsen, Nosovice und Velké Popovice erzeugt pro Jahr 8 Mio. hl Bier. Dazu gehören neben dem Pilsener Urquell auch die Biersorten Gambrinus, Radegast, Kozel, Klasik oder Primus. Über 13 Distributionszentren gelangen die Bierspezialitäten in den Groß- und Einzelhandel. In Tschechien erreicht Pilsener Urquell einen Marktanteil von 49 %. Der Umsatz lag 2004 bei etwa 13 Mrd. Tschechischen Kronen (ca. 410 Mio. Euro).
Strategisches Ziel des Pilsener Traditionsunternehmen ist es, seine Spitzenposition in Tschechien auszubauen. Drüber hinaus will man den Marktanteil auf dem europäischen Biermarkt deutlich vergrößern. Deshalb setzt das Pilsener Management auf World Class Manufacturing. Diese ganzheitliche Methode dient zur Aufdeckung versteckter Potenziale und zur stetigen Verbesserung der Produktivität, Flexibilität und Qualität. Vor diesem Hintergrund wurde 2001 die Einführung eines Production Management Information Systems (PMIS) beschlossen. Letzteres erfasst und analysiert alle relevanten Prozessdaten und liefert in Echtzeit alle Informationen, die für eine optimale Prozessführung in der Brauerei notwendig sind. Gleichzeitig erhält das Management wichtige Informationen über den Grad der Prozessoptimierung.
Die Qualität der eingesetzten Rohstoffe Gerste und Hopfen unterliegt natürlichen Schwankungen. Unabhängig davon muss das Bier eine konstant hohe Qualität haben. Hierbei hilft das PMIS. Es werden Standards und Grenzwerte für die einzelnen Qualitätsparameter definiert und im PMIS hinterlegt. Auf der Basis dieser Daten und der aktuellen Qualitätsparameter der eingesetzten Rohstoffe definiert das System die Prozessbedingungen, die notwendig sind, um die schwankende Rohstoffqualität auszugleichen.
Stichwort Kostenreduzierung: Auch hier leistet das PMIS einen wesentlichen Beitrag. Es stellt eine optimale Verwertung der eingesetzten Rohstoffe sicher, reduziert den Ausschuss und verbessert in Summe die Auslastung der Anlage. Gleiches gilt auch für die eingesetzten Energieträger – ein Umstand, der auch unter ökologischen Gesichtspunkten wichtig ist.
Mit der Realisierung des Projektes beauftragte die Brauerei Siemens I & S. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren folgende Gründe: Das Unternehmen hat sich als Systemintegrator in vielen Projekten bewährt. Es verfügt über weit reichende Erfahrungen im Brauereigewerbe und ist Lieferant von leistungsstarken Hard- und Softwarelösungen. Eine besondere Herausforderung bei der Projektrealisierung stellte die komplexe Brauereistruktur in Pilsen dar. So nutzen die Produktionsanlagen für Pilsener Urquell und Gambrinus gemeinsam eine Filteranlage, die das Bier von Schwebstoffen befreit. Gleiches gilt im gewissen Umfang auch für die Fass- und Exportflaschenabfüllanlagen. Außerdem wurde zeitgleich mit der Implementierung des PMIS – sie begann 2003 – SAP R3 als übergeordnetes ERP-System eingeführt.




