2017 nahm die Westheimer Brauerei im Sauerland mit einem Palettierroboter den ersten Schritt in die Automatisierung. Inzwischen erleichtern Roboter die gesamte Flaschenproduktion – vom Leergutmanagement bis zur Befüllung der Flaschen.
Die Gräflich zu Stolberg‘sche Westheimer Brauerei in Marsberg braut seit 1862 regionale Bierspezialitäten für den deutschen und internationalen Markt. Um sich langfristig auf einem umkämpften Markt durchzusetzen und dem sich verschärfenden Fachkräftemangel erfolgreich vorzubeugen, entschloss sich die Brauerei vor einigen Jahren dazu, ihre gesamte Produktion schrittweise zu automatisieren und Roboter anzuschaffen.
Die Kernziele waren von Anfang an klar: Einerseits den Bedarf an neuen Mitarbeitern zu reduzieren, andererseits Prozesse genauer, flexibler und steuerbarer zu gestalten. Die Prozesse sollten nachvollziehbar und effizienter sein. „Bereits in den 1990er Jahren gab es mit der Einführung einer SPS erste Gehversuche in Sachen Automatisierung bei Westheimer“, erinnert sich der technische Leiter Thomas Juckenath, der das Thema seitdem begleitet. „Besonders praktisch: Die damals gewählten Mod BUS Systeme funktionieren einwandfrei mit Kawasaki-Robotern. Das damals erstellte Grundprogramm stellt seitdem die Basis für sämtliche Automatisierung dar und wird ständig weiterentwickelt.“
Die eigene Ausbildung und Weiterentwicklung von Fachkräften ist für die Westheimer Brauerei seit Jahrzehnten ein wichtiger Erfolgsfaktor. Braumeister Jörg Tolzmann erklärt: „Eine langfristige Bindung guter Fachkräfte ist entscheidend, denn in Brauerei und Handwerk ist der Mangel deutlich spürbar, insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Sauerland.“ Wie in nahezu allen Branchen gibt es Fluktuation, das Halten erfahrener Mitarbeiter ist heutzutage besonders wichtig, denn neue Mitarbeiter sind in Brauerei und Handwerk zunehmend schwieriger zu gewinnen.
Auch vorausschauendes Arbeiten werde ein immer wichtigerer Faktor, um Auslastung zu gewährleisten und die – auch personellen – Ressourcen zu schonen, so Juckenath: „Wo zuvor kurzfristig auf mögliche Störungen in der Produktion bzw. der älteren Anlagen reagiert wurde sowie Reparaturen und Wartung nach Bedarf durchgeführt wurden, stellt sich nun die Frage: Wie kann Vorsorge aussehen bevor etwas kaputt geht?“
Schritt für Schritt: Automatisierungsstrategie seit 2017
Bis 2017 waren in der Westheimer Brauerei vorwiegend ältere mechanische Lösungen im Einsatz, teils aus den frühen 1980er Jahren. Insbesondere die alte Palettieranlage nahm sehr viel Raum in der Brauerei mit begrenztem Platzangebot ein und war sehr anfällig für Störungen. Somit war diese für Braumeister Jörg Tolzmann der logische erste Schritt für die Automatisierung der gesamten Infrastruktur und Produktion.




