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    Interesse an nachhaltigen Fleischalternativen wächst
    Bildquelle nicht angegeben
    Fleischverarbeitung

    Interesse an nachhaltigen Fleischalternativen wächst

    Der Konsum von Fleisch und nachhaltigen Alternativen in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: 50 % der Menschen in Deutschland
    Veröffentlicht
    06. Oktober 2022
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Fleischverarbeitung

    Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage zum Konsumverhalten und zu Einstellungen der Menschen zu Fleisch und nachhaltigen Alternativen hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Opinion Way im Auftrag des Good Food Institute Europe (GFI Europe) durchgeführt hat (Befragung von 1.002 Frauen und Männern). GFI Europe ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die pflanzliches und kultiviertes Fleisch voranbringen will, um unser Ernährungssystem nachhaltiger, sicherer und gerechter zu machen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Menschen in Deutschland häufiger zu nachhaltigen Produkten greifen und gegenüber neuen Wegen der Fleischproduktion – wie der Kultivierung von Fleisch aus Zellen – sehr aufgeschlossen sind.

    Fleischkonsum geht zurück

    Jeder zweite Befragte gibt an, den persönlichen Fleischkonsum in den letzten fünf Jahren reduziert zu haben. Insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch nimmt in Deutschland ab: 42 % der Menschen essen weniger oder gar kein Schweinefleisch mehr, 35 % sagen dies im Hinblick auf Rindfleisch. Als häufigste Gründe dafür werden die Vermeidung von Tierleid (38 %) und der Klima- und Umweltschutz (37 %) genannt. Der Verzehr von pflanzlichen Optionen steigt hingegen an: 41 % der Befragten greifen bereits monatlich auf pflanzenbasierte Produkte zurück, und rund jeder Fünfte isst sogar wöchentlich Fleischprodukte auf pflanzlicher Basis.

    Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass sich dieser Wandel fortsetzen wird: 25 % der Menschen in Deutschland wollen künftig mehr pflanzenbasierte Fleischprodukte essen. Gleichzeitig wollen viele Menschen den Konsum von Schweinefleisch (30 %), Rindfleisch (27 %) und Wurstwaren im Allgemeinen (29 %) weiter reduzieren.

    Wie gesund sind Fleischersatzprodukte?

    Die Veränderung der Konsumpräferenzen in Deutschland spiegeln sich auch in den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach haben die gewerblichen Schlachthöfe in Deutschland im ersten Halbjahr 2022 rund 8 % weniger Fleisch produziert als im ersten Halbjahr 2021. Dennoch machen pflanzenbasierte Optionen bislang nur einen Bruchteil des gesamten Fleischmarkts in Deutschland aus: Gemessen am Produktionswert war der Markt für Fleisch aus der Tierhaltung 2021 rund 80-mal so groß wie der Markt für pflanzliche Ersatzprodukte.

    Es braucht also noch deutlich mehr Veränderung, um die Proteinversorgung in Deutschland nachhaltiger zu machen. Darauf weisen auch die Ergebnisse der Befragung hin: 62 % der Menschen in Deutschland meinen, dass die Tierhaltung zu viele natürliche Ressourcen in Anspruch nimmt, und 60 % sagen, dass es zum Verbrauch von konventionell hergestelltem Fleisch und Fisch nachhaltige Alternativen braucht.

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    Offenheit für kultiviertes Fleisch

    Opinion Way hat die Verbraucher auch nach ihrer Meinung zu kultiviertem Fleisch und Fisch befragt. Dabei handelt es sich grundsätzlich um dasselbe Fleisch, das wir heute essen. Es wird jedoch nicht durch die Haltung von Tieren hergestellt, sondern in Fermentern, wie sie auch zum Bierbrauen verwendet werden. Dabei werden den Zellen Wärme und Nährstoffe zugeführt, die sie benötigen, um sich zu vermehren, zu wachsen und zu Fleisch zu werden. Kultiviertes Fleisch ist auf molekularer Ebene identisch mit Fleisch aus der Tierhaltung – es schmeckt genauso und lässt sich auch so zubereiten, benötigt aber nur einen Bruchteil der Ressourcen: So zeigen Studien, dass die Herstellung von kultiviertem Fleisch bis zu 92 % weniger Treibhausgasemissionen verursacht, bis zu 95 % weniger Land benötigt und 78 % weniger Wasser verbraucht.

    69 % der Menschen in Deutschland haben schon einmal etwas von kultiviertem Fleisch gehört, allerdings geben zwei Drittel davon an, nicht viel über diese neue Art der Fleischproduktion zu wissen. 57 % der Menschen in Deutschland würden kultiviertes Fleisch kaufen, wenn es in den Handel kommt. In der Gruppe der unter 25-Jährigen ist diese Offenheit noch einmal deutlich stärker ausgeprägt und liegt bei 82 %.

    Zudem zeigt sich, dass die Bereitschaft, kultiviertes Fleisch zu kaufen bei Männern (62 %) etwas stärker ausgeprägt ist als bei Frauen (52 %). Methodisch identische Umfragen in anderen Ländern Europas zeigen auch dort hohes Interesse: Während in Deutschland 57 % kultiviertes Fleisch kaufen würden, sind es in Frankreich 33 %, in Italien 55 % und in Spanien 65 %.

    Die Kultivierung von Fleisch und Fisch ist noch im Entwicklungsstadium. Bis es in Europa auf den Markt kommt, braucht es noch private und öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die Skalierung der Produktion. Dabei meinen 56% der Befragten, dass auch die Behörden handeln müssen, um die Entwicklung von kultiviertem Fleisch voranzubringen.

    Ist kultiviertes Fleisch eine nachhaltige Alternative?

    Zu den Ergebnissen der Umfrage sagt Ivo Rzegotta, Public Affairs Manager beim Good Food Institute Europe: „Die Menschen in Deutschland greifen immer häufiger zu pflanzlichen Fleisch- und Wurstwaren und zeigen sich offen gegenüber kultiviertem Fleisch. Indem wir stärker auf diese nachhaltigen Optionen setzen, können wir die Umweltbelastung unseres Ernährungssystem und die Risiken für die öffentliche Gesundheit deutlich verringern. Doch um das volle Potenzial von pflanzlichem und kultiviertem Fleisch zu heben, müssen die Produkte weiter verbessert und die Produktionskosten reduziert werden. Das ist kein Selbstläufer, sondern braucht politische Unterstützung. So wie der Staat massiv in die Energiewende und die Transportwende investiert hat, sollte er dies auch bei der Ernährungswende tun – mit öffentlichen Mitteln für Forschung zu alternativen Proteinquellen und mit fairen Wettbewerbsbedingungen für diese Optionen. Insbesondere sollte die Regierung die Förderung dieser nachhaltigen Alternativen auch in der angekündigten nationalen Ernährungsstrategie fest verankern.“

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