Guido Weydandt, Informatiker bei der Franz Wiltmann GmbH & Co. KG, wollte keine heterogene IT-Landschaft in seinem Betrieb haben: „Wir waren eine der ersten Firmen in der Fleischbranche, die SAP durchgängig in der Produktion einsetzen. Das war bei SAP ursprünglich nicht vorgesehen und wir mussten das System an die Bedürfnisse eines Fleisch verarbeitenden Betriebs anpassen. Und das hat schon ziemlich viel Entwicklungsarbeit gekostet, doch nun haben wir ein System, das unseren Wünschen entspricht. Da muss man mit zu vielen Anbietern sprechen. Das macht die Sache kompliziert. Wir versuchen, sämtliche Anwendungen in SAP abzubilden. ‚Ein System für alles!’ Das ist unser Anspruch.“
Allerdings musste man die Software erst einmal zurechtschneidern, damit es den Erfordernissen eines Großunternehmens der Fleischbranche entspricht. Mittlerweile wird jeder Schritt in der Produktion in SAP abgebildet. Allein 12 000 bis 15 000 Materialbewegungen muss das Warenwirtschaftssystem jeden Tag ausführen. Sobald die Schlachtware an der Warenannahme angeliefert wird, wird jedes Teil verwogen und mit einem Barcode versehen, der sich auf einem Aufkleber befindet. Der Barcode enthält verschlüsselt Angaben über das Gewicht, den Lieferanten und weitere Informationen. Somit ist die Herkunft exakt dokumentiert, wie es die EU-Verordnung 178/2002 vorschreibt. In großen, standardisierten Behältern aus Edelstahl oder per Rohrbahn wird das Fleisch von der Warenannahme zur Zerlegung transportiert. Hier zerlegen Kolonnen innerhalb kürzester Zeit die Teile in die einzelnen Fleischstandards und Fleischteile wie Oberschale, Unterschale, Filets, Bugstück, Nacken und so weiter. Um die Qualität besser kontrollieren zu können, hat Wiltmann diese Tätigkeiten nicht ausgelagert.
Die Datenerfassung bei der Zerlegung führen die Männer mit Noax-Industrie-PCs durch. Die IPCs sind an einen Drucker angeschlossen, der nach jedem Bearbeitungsschritt ein Etikett mit den jeweils relevanten Daten erzeugt, um eine durchgängige Kennzeichnung in der Produktion zu gewährleisten. Der Barcode auf der Ware wird von den jeweiligen Fertigungsauftragsbearbeitern eingescannt, damit diese Informationen in die Produktionskette zur Rückverfolgung einfließen. Die zerlegten Fleischstücke werden sortiert und dann in verschiedenen Transportbehältern zur nächsten Verarbeitungsstation transportiert. Die Daten leiten die Industriecomputer an das Unternehmensnetz weiter, zum Teil mittels Kabel, zum Teil über WLAN. Zehn IPCs sind via WLAN an das Unternehmensnetz angeschlossen. Wiltmann braucht wegen der vielen Arbeitsgeräte aus Edelstahl 25 Accesspoints, damit die Rechner in allen Räumen ungehinderten Empfang haben. Das SAP-GUI auf dem Industrie-PC schreibt dem Mitarbeiter der Rezepturverwiegung vor, welche Komponenten in welchen Gewichtsanteilen zusammengemischt werden sollen, damit die richtige Mischung aus den verschiedenen Fleischsorten und Gewürzen entsteht. Die Gewichte überprüft eine Waage, die mit dem Noax-IPC verbunden ist. Die IPCs am Kutter geben die Gewürzkomponenten vor, die der Mitarbeiter im Kutter mit den Fleischanteilen vermischt. Kein Vorgang geschieht, ohne dass er vom Warenwirtschaftssystem erfasst wird. So ist jeder Schritt in der Produktion transparent und nachvollziehbar. Außerdem stehen die Angaben in den kaufmännischen Abteilungen zur Verfügung, damit sie entsprechend disponieren können. Weydandt meint dazu: „Wenn die Rechner in der Produktion ausfallen, dann können wir 800 Leute nach Hause schicken. Nicht nur die Materialbuchungen, alles hängt daran. Wirsind also darauf angewiesen, dass das System immer einwandfrei funktioniert – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.“




