Frau Dr. Virmani, welche ernährungsphysiologischen Vorteile bieten Fleischersatzprodukte aus alternativen Proteinquellen?
Dr. Virmani: Tendenziell haben Fleischersatzprodukte im Vergleich zu den tierischen Pendants eine günstigere Zusammensetzung in Hinblick auf Gesamtenergie-, Fett- und Zuckergehalt sowie gesättigte Fettsäuren. Viele dieser Fleischalternativen werden auf Basis pflanzlicher Proteine wie Soja- oder Erbsenprotein produziert und stellen so eine qualitativ hochwertige Proteinquelle dar. Grundsätzlich kann sich eine Reduzierung des Konsums tierischer Lebensmittel positiv auf die Gesundheit auswirken. Wer viel rotes Fleisch und Wurst isst, hat beispielsweise ein höheres Risiko für Darmkrebs, sodass eine Verringerung des Verzehrs positiv zu bewerten ist, wenn Fleischersatzprodukte im Rahmen einer vollwertigen, abwechslungsreichen Ernährung in moderatem Umfang verzehrt werden.
Und welche Nachteile stehen dem gegenüber?
Dr. Virmani: Fleischersatzprodukte sind teilweise hoch verarbeitete Lebensmittel, die oft hohe Gehalte an Zucker, Speisesalz und Fett aufweisen und auch viele Zusatzstoffe enthalten können. Daher kann man sie nicht pauschal als ernährungsphysiologisch günstig einstufen.
Eignen sich Fleischersatzprodukte, um bei einer veganen Ernährung Defizite von einzelnen Nährstoffen auszugleichen?
Dr. Virmani: Kritische Nährstoffe bei einer veganen Ernährung sind Proteine, Omega-3-Fettsäuren, die Vitamine D, B2, B12 sowie die Mineralstoffe Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Am kritischsten ist die Vitamin-B12-Versorgung. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist eine ausreichende Versorgung bei veganer Ernährung nur durch die Einnahme eines Nährstoffpräparates möglich. Weitere Nährstoffpräparate sollten nur dann verwendet werden, wenn der Bedarf einzelner Nährstoffe über die Ernährung nicht gedeckt werden kann bzw. eine unzureichende Versorgung festgestellt wurde. Fleischersatzprodukte können vor allem zur Proteinversorgung beitragen. Der Proteingehalt liegt teilweise etwas über oder unter dem der vergleichbaren tierischen Produkte. Dagegen ist der Beitrag an weiteren kritischen Nährstoffen eher gering, da Öle mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren wie Lein-, Walnuss- oder Rapsöl bei der Herstellung dieser Produkte kaum eingesetzt werden. Die langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäure Docosahexaensäure wird bislang gar nicht in Fleischersatzprodukten verwendet. Auch Zutaten, die Vitamin D, Calzium und Eisen enthalten, werden kaum eingesetzt. Jod- und Meersalz werden dagegen häufiger in Fleischersatzprodukten eingesetzt und können so einen Beitrag zur Jodversorgung leisten. Insofern tragen Fleischersatzprodukte – mit Ausnahme von Protein und Jod – eher in geringem Umfang zu einer Versorgung mit kritischen Nährstoffen bei.




