Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) hat den Unternehmen Upside Foods und Good Meat die Zulassung erteilt. Das bedeutet, dass ihre Produktionsanlagen die gesetzlichen Normen erfüllen und ihre Produkte nun in den Vereinigten Staaten verkauft werden können. Dies war der letzte Schritt im behördlichen Zulassungsverfahren, nachdem vorher bereits die FDA die Sicherheit der Produkte bescheinigt hatte. Damit sind die USA das zweite Land nach Singapur, in dem kultiviertes Fleisch für den Verkauf freigegeben ist.
Das GFI Europe begrüßt diesen Schritt. Jedoch weist es darauf hin, dass noch großer Handlungsbedarf besteht, damit sich die Vorteile von kultiviertem Fleisch für den Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz auch in Deutschland und Europa heben lassen.
Grundsätzlich hat Deutschland laut GFI Europe alle Voraussetzungen, um im Bereich Zellkultivierung zu einem globalen Innovationsführer zu werden: eine exzellente Forschungslandschaft mit erstklassigen Hochschulen und weltweit einzigartigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie eine Reihe von vielversprechenden Start-ups und etablierten Unternehmen aus Lebensmittelwirtschaft und Industrie, die bereits in dem Bereich aktiv sind.
In den vergangenen zwei Jahren wurden nach Angaben des GFI Europe weltweit rund 2 Mrd. Euro in Start-ups für kultiviertes Fleisch investiert. Auf Deutschland entfielen davon rund 10 Mio. Euro, also etwa 0,5 % der privaten Investitionen in diesem Bereich.
Kultiviertes Fleisch kann Proteinproduktion diversifizieren
GFI-Präsident Bruce Friedrich kommentiert: „Die weltweite Nachfrage nach Fleisch wird sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln. Bahnbrechende Innovationen wie kultiviertes Fleisch ermöglichen es der Welt, die Proteinproduktion zu diversifizieren und gleichzeitig die Emissionen zu senken, die Ernährungssicherheit zu erhöhen, die Risiken für die öffentliche Gesundheit zu verringern und Land für die Renaturierung freizumachen. Die Umstellung auf kultiviertes Fleisch und andere alternative Proteine ist genauso wichtig wie der Übergang zu erneuerbaren Energien. Und genau wie bei den erneuerbaren Energien sind massive öffentliche Investitionen der Schlüssel dazu, dass diese neuen nachhaltigen Lebensmittel die Breite der Gesellschaft erreichen und neue zukunftsfeste Arbeitsplätze schaffen.”
Ivo Rzegotta, Senior Public Affairs Manager bei GFI Europe: „Deutschland und Europa drohen im globalen Rennen um Innovationen für ein nachhaltiges Ernährungssystem zurückzufallen. Die amerikanischen Verbraucher werden bald echtes Hühnerfleisch auf Basis von Zellen probieren können. Wenn wir nicht aufpassen, werden europäische Unternehmen ihre Produkte nicht hier in Europa, sondern zunächst auf der anderen Seite des Atlantiks vermarkten. Deutschland sollte die öffentlichen Investitionen in dem Bereich deutlich erhöhen und auf europäischer Ebene sicherstellen, dass die Zulassungsverfahren verlässlich, transparent und effizient sind — sonst riskieren wir, bei dieser wichtigen Klimaschutzlösung den Anschluss zu verlieren und damit auch wirtschaftliche Chancen zu verpassen.”




